Innovate. Or. Die.

Innovate. Or. Die.

Es muss Ende der 80er Jahre gewesen sein. Ich lebte zur der Zeit  in Stockholm und besuchte eine Veranstaltung über Retail. Einer der Keynote Speaker war Charles Lazarus. Ein charismatischer und smarter Mann, der geborene Salesman.

Was er gleich zu Anfang sagte, beeindruckte mich sehr, weil es so einfach und so überzeugend war: „Listening to the customer is probably the best thing in the world. Almost all that we have here and now, and how we expanded the business came from the customer saying “I need” or “I want”.

Ach so – Sie kennen Charles Lazarus nicht? Nun, er war der Gründer von Toys „R“ Us. Und das war damals eine ziemlich heiße Nummer. Alle sprachen davon. Toys „R“ US würde das Retail der Zukunft sein. Der Vortrag von Mr. Lazarus endete mit einem Versprechen: „Was IKEA in Schweden für Möbel ist, werden wir weltweit für Spielzeug sein.“

Er bekam „standing ovations“ (und der Aktienkurs stieg).

Gut 30 Jahre später: Vor einigen Tagen wurden berichtet, Toys „R“ US hat – nach 70 Jahren – Konkurs angemeldet.

Warum erzähle ich Ihnen das? Weil es eine typische Geschichte ist. Jemand startet als Querdenker, ist anders, authentisch, kreativ und schreibt bald eine unglaubliche Erfolgsstory.

Expansion, Umsatzsteigerungen ohne Ende, gute Rendite.

Doch mit dem Erfolg kommt oft die Behäbigkeit, die Bequemlichkeit. Die Gier. Man hört auf, auf den Kunden zu hören. Denn das kostet Zeit. Und Geld. Und überhaupt. So beginnt dann – genauso schnell wie der Aufstieg – der Abstieg.

„Innovate. Or. Die“. Toy „R“ Us hat sich für das „Or“ entschieden.

Die Firma, die für Spielzeuge weltweit das werden wollte, was IKEA in Schweden für Möbel war. Sie ist Vorreiter für viele Retailer, die in den nächsten Jahren den gleichen Weg gehen und in einer Sackgasse enden werden. Keine Differenzierungen. Keine Innovationen. Keine Antwort auf Konkurrenten wie Amazon.

Und IKEA? Das Unternehmen ist gerade als eine der stärksten europäischen Marken ausgezeichnet worden. Es ist nach wie vor erfolgreich und setzt weltweit den Standard.

Auch IKEA begannt als Querdenker. Selbst aussuchen, selbst transportieren, selbst aufbauen. Mitmachen spart Geld. Ob Europa, die USA, Asien – überall hat diese Idee die Menschen überzeugt. Gestern. Heute. Und morgen. Denn für IKEA gehört Querdenken und Innovation zur DNA. Diese Erfolgsdisziplinen werden ständig praktiziert. Ideen sind für IKEA die harte Währung. Man sieht Veränderung als einen positiven Prozess an, den man aktiv unterstützen und lenken will.

Zum Beispiel so: (Quelle: Inter IKEA Systems B.V.)

„Mitten in Kopenhagens früherem Fleischereiviertel befindet sich das Design-Start-up-Unternehmen Space10 ‒ ein Forschungszentrum und Ausstellungsort, das von der Rebel Agency betrieben wird, um innovative und verantwortungsbewusste Geschäftsmodelle für die Zukunft zu erforschen und zu gestalten. Space10 konnte durch Inter IKEA Systems B.V. ins Leben gerufen werden. Bereits in sehr kurzer Zeit hat Space10 eine Reihe von interessanten Projekten entwickelt.

Space10 lädt Menschen aus den Bereichen Kunst, Design und Technologie zu verschiedenen Forschungsprojekten ein, deren Ergebnisse dann zu einer Reihe von Prototypen, Ausstellungen, Veranstaltungen und Workshops führen.

IKEA Mitarbeitern wurde immer die Freiheit gewährt, große Themen kreativ im Rahmen der Geschäftspraktiken anzugehen. Space10 arbeitet mit einem globalen Netzwerk von Beitragleistenden auf gleiche Weise daran, Themen wie Lebensmittelsicherheit, das Fortschreiten der Verstädterung, Gesundheit und Wohlbefinden und andere Makrotrends unerschrocken zu erforschen“, erklärt Göran Nilsson, IKEA Concept Innovation Manager bei Inter IKEA Systems B.V

Wir unternehmen bereits viel, um das Leben der vielen Menschen zu verbessern. Mit Space10 hoffen wir, dass wir diese Vision auf die nächste Stufe heben können. Es geht darum, neue Möglichkeiten zu erforschen, um den vielen Menschen ein besseres, nachhaltigeres Leben zu ermöglichen“, fährt er fort.

Okay, so macht man Zukunft.

Doch für viele Menschen in den Unternehmen sind Veränderungen eine Bedrohung. Eine Bedrohung, von der man Angst hat. Und negative Emotionen machen blind, setzen Menschen Scheuklappen auf.

Dazu 3 Fragen:

  • Welche deutsche Firma hätte – eigentlich – Starbucks erfinden müssen?
  • Welche deutsche Firmen hätten – eigentlich – so etwas wie Ebay erfinden müssen?
  • Welche deutsche Firma hätte – eigentlich – Amazon erfinden müssen.

Hätte, hätte – Fahrradkette.

Wenn Ideen, wenn Querdenken und Innovation so wichtig sind, wie kommt man – fangen wir bescheiden an – auf Ideen? Die häufige Antwort: Durch Kreativmethoden wie z.B. Brainstorming oder Reverse Thinking.

Der Prozess, der aber eigentlich abläuft, wenn man es nüchtern betrachtet:

Neue Ideen entstehen, wenn unser Gehirn aus abgespeicherten Informationen (Wissen, Erinnerungen, Wünsche, Träume) neue neuronale Verbindungen bildet und durch diese Verknüpfungen neue Ansätze, neue Ideen, neue Konzepte entstehen.

Das kann man stimulieren (durch Kreativmethoden, wie z.B. Querdenken).

Or – let it happen!

Viele Ideen entstehen spontan: Unter der Dusche, beim Radfahren. Das Gehirn befindet sich hier in einem relaxten „Stand by“-Modus, kann – sozusagen unter dem Radarschirm – neue neuronale Verbindungen herstellen. Und den „Ideen-Turbo“ einschalten.

Einstein, ein leidenschaftlicher Musiker, Spaziergänger und Segler – hat oft berichtet, wie er in seiner „Freizeit“ auf bahnbrechende neue Ideen gekommen ist. Wobei seine Hürde hoch lag: „Wenn eine Idee am Anfang nicht absurd klingt, dann gibt es keine Hoffnung für sie“.

Doch hier liegt natürlich das Problem: Welches Unternehmen traut sich, über „absurde“ Ideen überhaupt nachzudenken? Da geht man doch lieber auf „Nummer Sicher“.

Querzudenken und Ideen zu generieren (auch absurde) ist eigentlich einfach. Als wir Kinder waren, haben wir jeden Tag dutzende dieser Ideen und Querdenkereien „ausgespuckt“. Doch dann kam die Schule, dann kam „Das geht nicht“ oder „Das macht man so nicht“ und man ist im Mainstream verhaftet. (Oder wird als Außenseiter „verhaftet“.)

Was die meisten Menschen noch nicht mal ahnen: Es macht – gerade im Team – unheimlich Spaß vor- und nach- und kreuz- und querzudenken. Es macht Spaß, alles ein wenig zu ver-rücken. Alles in Frage zu stellen.

Aus einem Flirt mit dem Querdenken wird so eine lebenslange Liebe. Und man merkt, dass durch Training und Erfahrung die Ergebnisse schneller kommen, dass sie besser werden, dass sie mehr Kraft haben. Querdenken kann zur positiven Obsession werden.

Wie hat es Steve Jobs mal formuliert?  “If you really look closely most overnight successes took a long time.” In den Business-Ideen von morgen stecken viele Erfahrungen von heute.

Natürlich wird nicht jede neue Idee eine die Welt verändernde Innovation. Aber – das zeigen mehrere wissenschaftliche Studien – wer mit einer Idee scheitert, ist erst einmal enttäuscht. Viele Menschen ziehen aber aus der Enttäuschung neue Kraft, um neue, bessere Ideen zu generieren und sie erfolgreich umzusetzen.

Innovate. Or. Die.

Wofür entscheidest Du Dich? Wofür entscheidet sich Dein Unternehmen? Vielleicht sollten wir uns mal unverbindlich kennenlernen?

Noch mal zu „Toys „R“ US:

Anscheinend will Amazon die Läden des insolventen Unternehmens übernehmen. Ein Witz der Geschichte. Toys „R“ US hatte sich 2001 entschieden, Amazon das gesamte Fulfillment zu überlassen. Ein riesiger Fehler. Das etablierte Unternehmen gab dem Newcomer die Chance, sich beim Kunden zu profilieren. So hat Toys „R“ Us – wahrscheinlich um Geld zu sparen – Amazon hoffähig und groß gemacht. Nun schluckt der Große von heute den Großen von gestern.

Ergänzung: Kurz, nachdem dieser Artikel geschrieben wurde, starb Charles Lazarus.

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